Unterirdischer Luftschutzbunker Tarpenbekstraße 68

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Unterirdischer Röhrenbunker Tarpenbekstraße 68 – die „Subbühne“ – ein anderes Mahnmal für Wolfgang Borchert.

Der aus Röhren bestehender Luftschutzbunker an der Tarpenbekstraße wurde im Jahre 1940 errichtet und nach zeitgenössischen amtlichen Angaben für insgesamt 100 Personen zugelassen. In der Praxis wurde er jedoch, besonders nach 1943, von weit mehr Menschen in Anspruch genommen. Das Bauwerk konnte grundsätzlich gegen Splitter- und Brandbomben sowie bei Gasangriffen Schutz bieten, nicht jedoch gegen einen eventuellen Volltreffer. Zum Schutz gegen Volltreffer waren die Außenwände mit einer Stärke von 60 cm nicht geeignet. Die Röhren sind in der Mitte durch eine Maueröffnung verbunden. Hier saß bei Luftalarm der Bunkerwart.

Für den Bau hat Hamburg das Grundstück zur Verfügung gestellt. Der eigentliche Auftraggeber für Bauarbeiten war aber von Anfang an das Reich, das vor Ort durch den Polizeipräsidenten vertreten wurde. Nach der Gründung der Bundesrepublik übertrug das Grundgesetz und später das Bundesvermögensgesetz das Vermögen des Reiches auf den Bund. Da aber in diesem Fall und in vergleichbaren anderen Fällen das Land Hamburg auf sein Recht als Eigentümer bestand, blieb es bei den alten, wenn auch kuriosen Eigentumsverhältnissen: Der Bund besaß das Bauwerk und Hamburg das Grundstück.

Aus Erzählungen von Zeitzeugen geht hervor, daß kurz nach dem Krieg ein „Plünnhöker“(Altwarenhändler) im vorderen Eingangsbereich einen Verkaufsstand und in den Röhren ein Lager errichtet hatte.  So fungierte der Bunker ca. zwei Jahre lang als Verkaufsstand. Für die Zeit danach, etwa zehn Jahre lang, liegt die Geschichte des Bunkers noch im Dunkeln. Erst im Jahre 1960 errichteten junge Menschen eine private Partykeller für Jazzmusik und dekorierten phantasievoll den Innenraum. In der Zeit des knappen Wohnraums war dies eine willkommene Anlaß, sich abzuschütten und teilweise sogar ein ganzes Wochenende unter Tage zu verbringen. Selbstverständlich konnte diese Art vom „unterirdischen Leben“ nur privater Natur sein, da die Stadtbürokratie eine Nutzung als öffentlicher Jazzlokal nicht erlaubte. In der amtlichen Dokumentensammlung fehlen auch die Hinweise auf diesen Jazzkeller.

1962 fand das unterirdische Musikleben ein jähes Ende: Die jungen Menschen mußten den Bunker verlassen, der jetzt offiziell geschlossen wurde, da er im Zeitalter des „Kalten Krieges“ für eine „Wiederverwendung für Zivilschutzzwecke“ doch noch in Betracht kam.

Erst um 1990 änderte sich die Lage. Das Bundesinnenminsiterium gab den Bunker frei, weil er, wie es amtlich hieß, für den Zivilschutz nicht „nutzbarmachungswürdig“ war.

Bunker als „Subbühne“:   Das Projekt „Subbühne“ wurde im Mai 1995 von dem Autor und Theaterregisseur Michael Batz und dem Künstler Gerd Stange ins Leben gerufen. Ihre Idee war, den Bunker in eine „Bühne“ umzuwandeln, in „ein Mahnmal für den Gebrauch: begehbar, erlebbar, beschreibbar“. Zum fünfzigsten Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus (Mai 1995) sollte „in einem realen Ort des Kriegsgeschehens eine andere Form der Öffentlichkeit und des künstlerischen Dialogs“ geschaffen werden. Das Projekt galt als Kunst im öffentlichen Raum und war dem Hamburger Dichter Wolfgang Borchert (1921-1947) gewidmet, dessen Geburtshaus einige Meter entfernt an der Tarpenbekstraße 82 liegt.

Eine im Mai 1995 für einen Monat angebotene, erfolgreiche Veranstaltungsreihe, die im Bunker stattfand, wurde von insgesamt mehr als tausend Menschen besucht. 1996 installierten Gerd Stange und Michael Batz im Innenraum des Bunkers die „Rhythmische Babylonische Wasserskulptur“ als ein „aktives Erinnerungs-, Belebungs- und Bewässerungskunstwerk“.

Das Stadtteilarchiv Eppendorf als Träger des Projektes   Die behördliche Nutzungserlaubnis, die im Mai 1995 Michael Batz und Gerd Stange erhalten hatten, war auf einen Monat begrenzt. Bunker dieser Bauart sollten langfristig geschlossen und sogar zugeschüttet werden. Das Stadtteilarchiv Eppendorf setzte sich für die Erhaltung des Bunkers und übernahm schließlich 1996 die Trägerschaft. um die „Subbühne“ als Kunst im öffentlichen Raum und als Mahnmal zu erhalten. Für eine öffentliche Nutzung mußten allerdings umfangreiche Baumaßnahmen in die Wege geleitet werden. Diese Arbeiten wurden im Juli 1997 abgeschlossen.

Gemäß diesem Konzept soll der Bunker Treffpunkt für Menschen aus verschiedenen Generationen werden, die Gedanken austauschen und einen wesentlichen Aspekt der Kriegserfahrung an diesem historischen Bauwerk exemplarisch nachvollziehen wollen. Das Projekt führt Kunst und Geschichtsforschung zusammen.

 

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