Hinweise zum Geschichtslexikon

Hervorgehoben

Liebe Eppendorferinnen, liebe Eppendorfer,

das Projekt „Eppendorfer Geschichtslexikon“ begann im Jahre 2011 und wurde nach etwa einem Jahr online gestellt. Es gibt immer noch Nachholbedarf. Wir sind dabei, die Anzahl der Artikel und Fotos unsererseits zu erhöhen, wünschen aber, dass auch Sie uns schreiben.

Wir haben das Lexikon zum 25. Jubiläum des Stadtteilarchiv Eppendorf erstmals öffentlich vorgestellt. Deshalb haben Bilder aus der Entstehungszeit des Stadtteilarchivs einen besonderen Platz.

Das Projekt wurde mit Unterstützung des Bezirksamts Hamburg-Nord realisiert.

Ihr Stadtteilarchiv Eppendorf

 

Arnold-Heise-Straße

Benannt 1948 nach Dr. Johann Arnold Heise (1747-1834), Senator und Hamburger Bürgermeister. Früher Godeffroystraße.

Artikel aus: Rita Bake, Ein Gedächtnis der Stadt, Nach Frauen und Männern benannte Straßen, Plätze, Brücken in Hamburg, Band 2, Biographien von A bis Z, S.98-99

Jurist, Präses des Niedergerichts, Ratsherr, Amtmann zu Ritzebüttel,

Bürgermeister von Hamburg (1807-1810 und 1814-1821)Siehe auch: Auguste-Baur-Straße, in Bd. 2. Arnold HeisesTochter Marianne war mit Georg Friedrich Baur verheiratet. Johann Arnold Heise war dreimal verheiratet. Aus seinem Eheleben gibt es viele Anekdoten. Als er Vater von Drillingen wurde, war er gerade im Rathaus. Der Bote meldete ihm, dass seine Frau ein Kind bekommen habe. „ ‚Gut‘, sagte er und setzte seine Arbeit fort. Später am Tag wurde ihm gemeldet, daß noch ein Kind gekommen wäre. ‚Gut‘, sagte er wieder; aber als ihm die Geburt eines dritten Kindes gemeldet wurde, fuhr er auf und rief: ‚Nein, nun muß ich nach Haus, sonst nimmt das kein Ende.‘“ 1)

In erster Ehe war Johann Arnold Heise mit Catharina Lucia, geb. Droop (1747-1790) verheiratet. Das Ehepaar bekam neun Kinder, darunter 1796 die Drillinge. Die schnell aufeinander folgenden Geburten schwächten Catharina Lucia. Als sie dann an Schwindsucht erkrankte, verstarb sie. Zwei Jahre später ging Johann Arnold Heise, um der Einsamkeit zu entkommen, seine zweite Ehe ein und zwar mit Catharina Magdalena Hudtwalcker(1752-1806) (siehe: Hudtwalckerstraße, in Bd. 3 online), Witwe von Johann Wybrandt. Sie brachte aus ihrer ersten Ehe drei Kinder in die neue Ehe. Selbst blieb das Ehepaar kinderlos. Nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau,ging Herr Heise, weil er an das Eheleben gewohnt war,  1807 noch eine dritte Ehe ein. Diese führte er mit Margaretha Maria von Behren(1760 1811), Witwe von Hieronymnus Färber. Margaretha war sein Mündel gewesen, die Tochter seines Onkels Otto von Behren. Auch diese Ehe blieb kinderlos. Seine Gattin aber brachte vier Kinder aus ihrer ersten Ehe mit. Doch auch diese Ehe weilte nicht lange. Vier Jahre nach der Hochzeit verstarb Heises dritte Frau 1811. Nun zog Heise mit seiner unverheirateten Tochter Margarethe Amalie zu seiner ältesten Tochter Helene Maria Lucia und deren Ehemann. Dort lebte er gut 1 ½ Jahre und wurde umhegt von seinen beiden Töchtern. Dann zog er mit seiner unverheirateten Tochter in ein eigenes Domizil und wurde bis zu seinem Tod von seiner Tochter gepflegt.

Quellen:

1)Julie Grüner: Erinnerungen an das Haus meiner Grosseltern Baur im dänischen Altona, Hamburg 1965, S. 35f.

 

Stolpersteine in Eppendorf und Hoheluft-Ost

Foto: Johannes Grossmann

 

Seit 1995 erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig mit seinem Projekt STOLPERSTEINE an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohn-, Arbeits- oder Lernort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. 2002 hat der Hamburger Peter Hess dieses Projekt in die Hansestadt geholt, wo seither über 5.100 Gedenksteine auf ermordete Menschen aus Hamburg aufmerksam machen.

Im Herbst 2006 hat sich im Stadtteilarchiv Eppendorf eine Arbeitsgruppe zur Erforschung der Lebens- und Leidensgeschichten der Ermordeten gegründet.

Diese „Biographische Spurensuche“ wurde hamburgweit von Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und Dr. Beate Meyer vom Institut für die Geschichte der deutschen Juden initiiert und betreut.  Die Ergebnisse werden in stadtteilbezogenen Büchern herausgeben. Für Eppendorf erschienen im Februar 2011 zwei Bände „Stolpersteine in Hamburg-Eppendorf und Hamburg-Hoheluft-Ost, Biographische Spurensuche“. Sie sind im Stadtteilarchiv Eppendorf, im Kulturhaus und in der Landeszentrale für politische Bildung erhältlich.

Alle hier abgedruckten und weitere Biographien sind auch nachzulesen auf der Homepage der Hamburger Stolpersteine unter http://www.stolpersteine-hamburg.de/

Das bundesweite Projekt Stolpersteine mit vielen Informationen finden Sie unter der Internetadresse: www.stolpersteine.com

Foto: Johannes Grossmann

Schülerinnen und Schüler der Marie-Beschütz-Schule beim Putzen der Stolpersteine für die Namensgeberin der Schule und deren Schwestern und Mutter

 

Stolpersteine für Angela und Gertrud Pardo

Vermutlich Angela Pardo bei einem Picknick mit Familie und Freunden

Am Freitag, dem 31. Mai 2013, wurden Stolpersteine für die Schwestern Angela und Gertrud Pardo verlegt:

 Hier zwei kurze Lebensläufe der Schwestern Pardo:

Gertrud Henriette Pardo wird am 10.Juli 1883 als ältestes Kind des Ehepaares Isaac und Sophie Pardo in Hamburg geboren. Nach dem Besuch der höheren Mädchenschule besucht sie das Lehrerinnenseminar. Zunächst unterrichtet sie an einer Privatschule und an einem Internat in Paris, bevor sie 1906 in den Hamburger Schuldienst eintritt. Bis 1919 arbeitet sie als Volksschullehrerin. Nach einer Zusatzausbildung unterrichtet sie an der Gewerbeschule im  Schrammsweg 34. Im April 1933 wird Gertrud Pardo aufgrund des nationalsozialistischen „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ als Jüdin aus dem Staatsdienst entlassen.

Im Oktober 1933 richtet die Beratungsstelle der Deutsch-Israelitischen Gemeinde für jüdische Wirtschaftshilfe in der Heimhuderstraße 70 eine Haushaltungsschule ein, die auch als Hachschara anerkannt ist, also zur Vorbereitung der Auswanderung nach Palästina dient. Gertrud Pardo wird Leiterin der hauswirtschaftlichen Jahreskurse für junge Frauen. Unter immer schwierigeren Bedingungen leitet Gertrud Pardo die Jüdische Haushaltungsschule bis sie am 1. Juni 1941 auf Anweisung der Gestapo geschlossen wird.

Angela Rosette Pardo wird am 28. August 1885 als drittes Kind von Isaac und Sophie Pardo in Hamburg geboren. 1914 beginnt sie eine Ausbildung zur Krankenschwester am Israelitischen Krankenhaus Hamburg. Nach ihrem Examen arbeitet sie nicht nur im Israelitischen Krankenhaus als Schwester, sondern ist zwischen 1918-1919 und 1923-1925 auch als Gemeindeschwester der Hamburger Gemeinde tätig und vertritt zeitweise die Oberin des Israelitischen Pflegeheimes. Im März 1928 unterschreibt sie einen Arbeitsvertrag als Oberin des neu eingerichteten, hochmodernen Eitingon- Krankenhauses in Leipzig. Die nach ihrem Stifter, dem vermögenden Rauchwarenhändler Chaim Eitingon benannte Klinik, ist das erste jüdische Krankenhaus in Sachsen. Dort organisiert Angela Pardo als Oberin den Krankenhausalltag  bis zum  Frühjahr 1939, dann darf sie auf Befehl der Gestapo nicht mehr im Krankenhaus arbeiten. Sie verlässt Leipzig und zieht zu ihrer Schwester Gertrud nach Hamburg in den Rainweg Nr. 9. Beide Schwestern bemühen sich, zu ihren Brüdern Herbert und Jacob Richard nach Palästina auszuwandern, aber ihre Hoffnung erfüllt sich nicht. Im Oktober 1941 erreicht sie der „Aussiedlungsbefehl“. Zusammen mit ihrer Schwester Gertrud wird Angela Pardo am 25. Oktober in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert. Dort müssen sie mit zwölf Menschen in einem Zimmer in der Rauchgasse 25 leben. Vermutlich werden beide Schwestern am 3. Juni 1942 vom Ghetto Lodz weiterdeportiert und ermordet.

Gertrud Pardo wurde 59 Jahre, ihre Schwester Angela wurde 57 Jahre alt.

Die Schülerinnen und Schüler der Klassen HH 11/1 und HH 11/2 der Beruflichen Schule Eppendorf haben sich im Rahmen des Unterrichts in Wirtschaft und Gesellschaft auf Spurensuche begeben und erkundeten das Schicksal der Gewerbelehrerin Gertrud Pardo. Die Ergebnisse der Spurensuche werden von den Schülerinnen und Schülern in einer Ausstellung im Erdgeschoss der Beruflichen Schule Eppendorf  in der Kellinghusenstraße 11 vom 27.05.2013  bis zum 07.06.2013 präsentiert. Am 31. Mai 2013 gegen 12.00 Uhr wird vor dem Schulgebäude ein Stolperstein verlegt, der an Gertrud Pardo erinnern soll.

 

Marie-Jonas-Platz

Lange war der Platz an der Eppendorfer Landstraße, Ecke Kümmellstraße einfach nur ein Parkplatz vor Karstadt. Als 2007 das Kaufhaus schloss, verschwand auch der Parkplatz. Das gesamte Gelände wurde saniert, das technische Rathaus gebaut und es entstand ein zentraler Platz in Eppendorf. Das Bezirksamt suchte nach einem passenden Namen. Die Favoriten waren Wolfgang Borchert und Marie Jonas, für die sich die Mehrheit entschied. Im Februar 2009 wurde der Marie-Jonas-Platz  in Anwesenheit ihrer Tochter Esther Bauer und ihres Enkels Larry Bauer feierlich eingeweiht.

Wer war Dr. Marie-Anna Jonas?

Marie Jonas wird am 12. Januar 1893 in Fischhausen/Ostpreußen als drittes von vier Kindern der liberal-jüdischen Familie Levinsohn geboren. Fischhausen, damals die  Kreisstadt des Samlandes, hatte 1890 2874 Einwohner, davon 28 Katholiken und 20 Juden. Der  Vater Benno Levinsohn ist  Apotheker. Ab 1895 wohnt die Familie im 35 km entfernten Königsberg. Marie besucht dort die höhere Mädchenschule mit angeschlossenem  Lehrerinnenseminar. Im Oktober 1911, also mit 18 Jahren, besteht sie die Lehrerinnenprüfung. Von 1912 bis 1914 lebt sie zur weiteren Ausbildung in England und Frankreich. Gemeinsam mit ihrer äl­teren Schwester ist sie im Ersten Weltkrieg in Königsberg als Rote-Kreuz-Schwester tätig, unter anderem als Operationsschwester. Im September 1917 nimmt sie ihre Vorbereitungen zur Abiturprüfung wieder auf. Ostern 1919 besteht sie, inzwischen 26 Jahre alt, die Reifeprüfung. Anschließend beginnt sie an der Universität Königsberg ein Medizinstudium, was zur damaligen Zeit durchaus nicht selbstverständlich ist. Frauen durften überhaupt erst ab 1908 in Preußen Medizin studieren! Da sie häufig bei Professoren und Kommilitonen auf Ablehnung stießen, setzte dies besonderes  Durchsetzungsvermögen der Frauen voraus. Marie Levinsohn promoviert 1922 über Komplikationen bei eitriger Mittelohrentzündung . 1923 erfolgt ihre Approbation, im gleichen Jahr heiratet sie Dr. Alberto Jonas. Sie hatte den vier Jahre älteren Altphilologen, Oberlehrer an der traditionsreichen Hamburger Talmud Tora Schule, während einer Zugfahrt nach Bad Harzburg kennengelernt.  Als ihr Mann 1924  Direktor der Israelitischen Töchterschule in der Karolinenstraße wird, tritt sie den Posten der Schulärztin an. Am 13. März des Jahres wird das einzige Kind Esther geboren. Diese sagt über ihre Eltern: “ Meiner Meinung nach passten sie überhaupt nicht zusammen, waren aber scheinbar ganz glücklich miteinander. Mein Vater war ein strenger und sehr frommer Jude, meine Mutter hatte keine Ahnung vom Judentum […] Mein Vater versuchte, ihr Hebräisch beizubringen und ihr zu erklären, wie man in der Synagoge betet, aber ich glaube, sie war gar nicht interessiert.“

Bis 1925 wohnt die Familie in der Grindelallee 12 und zieht dann nach Eppendorf in den Woldsenweg 5, ganz in der Nähe dieses Platzes.

Marie Jonas ist  eine sehr sympathische, vielseitig interessierte und engagierte Frau . Sie ist sehr kinderlieb und hört gern klassische Musik. Zusammen mit ihrem Mann besucht sie häufig Konzerte, geht ins Theater und in die Oper. Sie hat viele Freunde, meistens Ärzte, aber auch Lehrerinnen aus der Schule Carolinenstr., die jede Woche zum Essen kommen. Die patente Frau Doktor kauft Waschmittel, Zahnpasta usw. en gros ein, und das wird dann verteilt und verrechnet. Der Haushalt ist sehr modern ausgestattet: Außer einem elektrischen Kühlschrank und einem Dampfbügeleisen gibt es sogar schon eine Zickzack-Nähmaschine! Liebend gern hätte sie ihre aus Königsberg mitgebrachten Möbel durch moderne ersetzt, aber dazu kommt es nie.

“ Meine Mutter war immer allen voraus“ sagt die Tochter. Sie ist sehr gern geschwommen, auch als sie schwanger war. Das war damals noch nicht “ in Mode“ [ bzw. wohlmöglich sogar anstößig].

Als  „sehr zärtlich und sehr liebevoll“ beschreibt ihre Toch­ter sie. Wenn Esther krank ist bleibt die Mutter zu Hause, geht nicht zur Arbeit, obwohl die Familie ein Kindermädchen beschäftigt. Ihr Mann nennt sie „das sanfte Miechen“.

Und Humor hat sie!  „Wir fuhren mal nach Norderney, als ich noch ziemlich klein war“, erzählt die Tochter. „Meine Mutter häkelte immer Handschuhe, so weiße für den Sommer. Diesmal  häkelte sie Eierwärmer. Das wollte ich auch. Meine Anni, unser Kindermädchen, war auch dabei. Also zeigten sie mir, wie man häkelt, und anstatt eines Eierwärmers wurde meins ein Fingerhut! Mutti und Anni haben sich totgelacht!“

Die  als Fünfzehnjährige verwaiste Marie Jonas ist sehr stolz auf ihren Werdegang. Durch den frühen Tod der Eltern hatte sie schon in jungen Jahren für sich selbst sorgen müssen. Sie legt Wert darauf, dass der Titel  „Frau Dr. Jonas“ Ergebnis ihrer eigenen Leistung und nicht durch Eheschließung erworben ist. In ihrem sozialen Engagement orientiert sie sich nicht an der Haltung ihres Gatten, der vehement jede innerjüdisch-poli­tische Positionierung ablehnt. Nach Aussagen ihrer Tochter war sie Mitglied der WIZO (Women’s International Zionist Organisation)  und ließ sich zur Gruppenvorsitzenden wählen. Das Israelitische Familienblatt verzeichnet sie im Oktober 1938 sogar als Vorstandsmitglied des Hamburger Zionistischen Ortsverbandes. Gemeinsam mit ihrem Mann  gehört sie der Henry-Jones-Loge an, der wichtigsten jüdischen Vereinigung in Hamburg.

Schon im Ersten Weltkrieg ist Marie-Anna Jonas massivem Antisemitismus von Soldaten begegnet, die sich nicht von der jüdischen Rote-Kreuz-Schwestern behandeln lassen wollten. Obwohl sie für diese Tätigkeit 1934 das „Ehrenkreuz“ verliehen bekommt, ist sie sich früh der Gefahr  bewusst, die der Machtantritt der Nationalsozialisten für die Juden bedeutet. Sie drängt zur Auswanderung, will nach Palästina, was für ihren Mann jedoch nicht zur Debatte steht.

Von widrigen Umständen ließ sie sich nicht unterkriegen, wie nicht nur ihre berufliche Laufbahn beweist : Ihre Arbeit als Schulärztin hatte Marie Anna Jonas verloren: Seit Mai 1932 konnten verbeamtete Frauen infolge von Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit  aus dem Staatsdienst entlassen werden, wenn das Familieneinkommen durch den Ehemann gesichert war. Daraufhin wirkt sie ehrenamtlich weiter, zunächst am Universitätskrankenhaus Eppendorf, dann am Israelitischen Krankenhaus in der Simon-von-Utrecht-Straße. Nachdem 1938 jüdischen Ärzten die  Zulassung entzogen wird, ist sie als Krankenpflegerin tätig und versorgt – insbesondere nachts – alte Men­schen in deren Wohnungen. In den Räumen der Israelitischen Töchterschule unterrichtet sie Biologie und Gesundheitslehre. Ihre Schüler sind jugendliche Teilnehmer an  Berufslehrgängen zur Vorbereitung der Auswanderung, darunter auch Tochter Esther.

Als die Lebensbedingungen für jüdische Menschen immer  schwieriger werden, schafft sie es trotzdem irgendwie, ihre Familie zu versorgen. Ihr Mann besteht auf einer koscheren Haushaltsführung. Nach dem Hamburger Verbot der Schächtung lässt sie sich Wurst von Verwandten zuschicken, solange das noch möglich ist. Über diese Zeit sagt die Tochter: „Was meine Mutter gekocht hat, ich hab keine Ahnung“.

Für Familie Jonas gibt es kein Entkommen, viel zu spät war ein Ausreiseantrag in die USA gestellt worden. Im Frühjahr 1942 wird sie aus der Wohnung am Woldsenweg vertrieben und muss in ein einziges Zimmer im so genannten Judenhaus am Laufgraben 39 ziehen. Dort ist es wiederum die praktische Marie, die weiß, wie der  Kanonenofen zum Heizen und Kochen benutzt wird.

Einige Monate später, am 19. Juli 1942, deportiert man sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter nach Theresienstadt . Sechs Wo­chen später verstirbt Dr. Alberto Jonas dort an Hirnhautentzündung.

Marie Jonas gibt auch im Ghetto nicht auf und  beginnt, als Ärztin zu arbeiten. Wie schon ihr ganzes Leben lang kümmert sie sich auch hier um Menschen, die sie brauchen. „Sie hatte kaum Medi­kamente, konnte aber, so ihre Tochter, „den Leuten ein gutes Wort geben und … nett zu ihnen (sein).“ Vergebens versucht sie Anfang Oktober 1944, Esther, die in Theresi­enstadt geheiratet hatte, daran zu hindern, ihrem Mann in ein vermeintliches Arbeitslager nachzureisen. Es war ein Transport nach Auschwitz. Esther überlebt. Frau Dr. Marie Jonas wird wenig später nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

 Die Einweihung, des noch unfertige Platzes im Februar 2009

 

Esther Bauer und ihr Sohn Larry Bauer mit dem Stolperstein für Marie Jonas

Fotos: Walther Hundt